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Samstag, 3. November 2007

Tarifautonomie? Wat ist dat denn?

Nachdem gerichtlich festgestellt wurde, dass die GDL nun auch im Fern- und Güterverkehr streiken darf, gilt die Tarifautonomie uneingeschränkt auch für die Bahn und ihre Mitarbeiter. Den Sprachpanscher des Jahres und Preisträger der Verschlossenen Auster für die restriktive Informationspolitik der Bahn, Hartmut Mehdorn, fordert nun die Bundeskanzlerin auf, sich in den Tarifkonflikt einzumischen. Dies meldet die Süddeutsche.

Abgesehen davon, dass diese Dinge die Bundeskanzlerin einen feuchten Kehricht angehen, wird es auch wohl deshalb nichts mit Hilfe werden, weil die Dame ja nur noch gelegentlich hier in Deutschland weilt. Dass die Tarifautonomie damit von einer gerne heimatfernen Bundeskanzlerin geretttet wird, ist ein Treppenwitz im Arbeitskampf.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Die Telekom ein Rentenbetrüger?

Wie heute in den Lübecker Nachrichten zu lesen ist, steht die Telekom im Verdacht ein Rentenbetrüger zu sein. Der unglaubliche Vorgang stellt dar, dass für eine Mitarbeiterin die Sozialbeiträge nicht abgeführt wurden.

Was ist passiert? Mit der Privatisierung des Postbetriebs schieden zahlreiche Beamte auf diese Weise aus dem Dienst aus, verzichteten auf ihre Pensionsansprüche. Die Telekom sicherte Iris Jacobsen in einem Auflösungsvertrag zu: "Ihre Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung wird veranlasst."
Und genau das ist nicht geschehen. Die Nachversicherung verweigert die Telekom mit Hinweis auf eine vierjährige Verjährungsfrist. Ansonsten äußert sich das Kommunikationsunternehmen nicht.

Die Rentenversicherer beklagen, dass das "Rentenmodell Telekom" dazu führt, dass die Sozialleistungen nachträglich von der Versichertengemeinschaft getragen werden müssen.

Pfui, Telekom!

Freitag, 19. Oktober 2007

Neue Montagsdemos?

Diese tolle Karikatur habe ich bei sakurai-cartoons gefunden. Mal sehen, ob am kommenden Montag dieser Idee folgend die Herren Stihl, Henkel und Ackermann Arm in Arm auf der Straße zu sehen sind...

Montag, 15. Oktober 2007

Mensch Ingvar! Haste noch immer nicht genug?

Erst vor wenigen Tagen hatte ich IKEA zum Wiki des Tages erklärt. Dabei ergab sich, dass der IKEA-Gründer der reichste Mann Europas ist:

Laut T-Online ist Ingvar Kamprad der reichste Mensch Europas. Kamprad sei nicht der Eigentümer von Ikea, allerdings sei sein Vermögen in einem undurchschaubar aufgebauten Gebilde aus Trusts und Holdings verteilt. Forbes schätzt sein Vermögen auf 33 Mrd. US-Dollar. Somit sei er auf Platz 4 Weltweit(Stand: 2007). Laut der Zeitschrift Bilanz, die seinen Reichtum auf 15 bis 16 Milliarden Schweizer Franken schätzt, ist er die reichste in der Schweiz wohnhafte Person.

Und nun muss ich bei hr-online.de nachlesen, dass den IKEA-Mitarbeitern in Hessen künftig die lebensichtigen Gehaltszuschläge gestrichen werden sollen, was bei einer Verkäuferin schnell mal 285 Euro ausmachen kann. Deswegen wurde heute gestreikt.

Ich bleibe bei der Sache am Ball und werde IKEA bis auf weiteres auch bestreiken - als Konsument!

Freitag, 5. Oktober 2007

Bsirske kritisiert den Bahnstreik

Aha. Der Herr Bsirske, dem in den letzten Jahren etwa 1 Million Mitglieder den Rücken gekehrt haben, kritisiert das Vorgehen der GDL. Von Spaltung der Mitarbeiterschaft und dem Untergang der Gewerkschaftsbewegung wird in Leipzig auf dem Bundeskongress von ver.di gesprochen. Was Ärzte, Piloten, Fluglotsen und nun die Lokführer machen, war eigentlich Aufgabe von ver.di. Doch das Beispiel T-Com aus dem Frühjahr zeigt uns allen, auch ver.di, die Grenzen eines Gewerkschaftskolosses auf.

Die Mitgliederentwicklung bei ver.di ist erschreckend, wie ich hier einige Postings zuvor schon feststellte. Bevor ich also andere kritisiere, sollte ich mich selbst kritisch hinterfragen. Wer innerhalb von nur sieben Jahren ein Drittel seiner Mitgliedschaft verliert, hat anderes zu tun, als die zu kritisieren, die mehr für ihre Mitglieder tun!

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Sand in die Augen streuen

Drei Wochen vor dem Bundesparteitag des SPD streuen führende Sozialdemokraten der Bevölkerung den Sand des sozialen Bewusstseins in die Augen und fordern marginale Änderungen an der Agenda 2010. Damit soll signalisiert werden, dass die SPD doch die Partei der kleinen Leute ist und sich um diese kümmert. Gleichzeitig werden damit die Linken in der SPD ruhig gestellt. Intellektuell arm und durchschaubar verbittert dieses taktische Manöver die "Heulsusen" in der SPD mehr als dass daraus eine wirklich nützliche Diskussion entstehen könnte.

Wie nun die netzzeitung meldet, setzt sich der Arbeitnehmerflügel der CDU jetzt auch auf diesen Zug. Spätestens jetzt wird deutlich, wie überfällig Reformen an der Agenda 2010 sind.

Montag, 24. September 2007

Steinbrück wird Kandidat in Mettmann

Tja, nun hat er es doch geschafft, einen Wahlkreis für ein Direktmandat zu bekommen. Ausgerechnet in Mettmann. Das finde ich klasse, denn zum Mettmanner Wahlkreis gehört auch das Städtchen Hilden, in dem meine GdP eine ihre "Zentralen" hat. Das macht das Arbeiten gegen Steinbrück günstiger und einfacher. Mal sehen, was die Genossen dort zu einem Kandidaten sagen, der den Artikel 9 des GG in seinem Geschäftsbereich nicht anwendet. Zahlreiche Gewerkschaftskollegen klagen zusammen mit mir dagegen, dass Steinbrück GdP-Angehörigen den gewerkschaftlichen Sonderurlaub aus politischen Gründen verweigert.

Ein aus diesem Grunde als Gewerkschaftsfeind zu bezeichnender Steinbrück als Kandidat der SPD in einem Wahlkreis, der letztes Mal an die CDU ging? Ausgerechnet mit dem Mann, der traditionelle Spozialdemokraten als Heulsusen bezeichnet hat?

Ich werde alles dafür tun, dass die Genossen in Mettmann über die Haltung des Herrn Steinbrück bestens informiert sind. Am besten fangen die Genossen dort schon einmal damit an, das Buch "Auf der Höhe der Zeit", das aus der Feder von Matthias Platzeck, Franz-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück stammt, zu lesen. Die Art und Weise, wie sich die Autoren hier mehr für die "Leistungswilligen" begeistern als für die, die auf die Unterstützung und Hilfe von Sozialdemokraten vertrauen, erinnert mehr an Guido Westerwelle und längst vergessene Diskussionen aus der liberalen Ecke, in denen es darum ging, unser Land attraktiver für die zu gestalten, die als Leistungsträger und Besserverdiener Verantwortung tragen.

Da können die Sozialdemokraten in ihrem neuen Programm getrost den Begriff des "demokratischen Sozialismus" fortschreiben. Glauben wird es ihnen niemand, wenn in etwa einem Monat Steinbrück zu einem der beiden Vize gekürt wird!

Donnerstag, 12. Juli 2007

Rechtsstaat, wo bist Du?

Irgendwo beim Zoll in Deutschland: "Bitte nur nach Aufforderung eintreten. Signal über der Tür beachten."

Diese Frage stellt sich automatisch, wenn man das nachfolgende Video gesehen hat, in dem dargestellt wird, wie man beim Zoll eigenes Versagen kraft souveräner Willkür und organisierter Unverantwortlichkeit ganz einfach einem aufmerksamen Beamten anlastet, den man dann zur "Belohnung" entlässt.



Mehr dazu gibt´s übrigens hier nachzulesen: www.zoll-board.de

Sonntag, 24. Juni 2007

Selbsterkenntnis bei Steinbrück?

Wie reuters meldet, hat der SPD-Vize und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, der bekanntlich für einen klar politisch motivierten Rechtsbruch verantwortlich zeichnet, seine Partei zu mehr Geschlossenheit aufgerufen. "Wir sind häufig selbst die Stichwortgeber, die dazu führen, dass unsere Spitzenvertreter in den Medien öffentlich beschädigt werden", sagte Steinbrück.

Aha. Wer es mit der grundgesetzlich garantierten Koalitionsfreiheit ausgerechnet als Sozialdemokrat nicht so genau nimmt, der gibt nicht nur Stichworte. Der setzt Zeichen und darf sich nicht wundern, wenn sich die Leute angewidert von einer solchen SPD abwenden. Noch kocht der Konflikt des Bundesfinanzministers mit der Gewerkschaft der Polizei dank der politischen Weitsicht innerhalb der GdP auf Sparflamme. Das wird aber nicht so bleiben, wenn der SPD-Vize Steinbrück weiterhin die Größe zum Einräumen eines Fehlers vermissen lässt.

Montag, 11. Juni 2007

Skandalöse Zustände beim Zoll

Der Hessische Rundfunk hat sich um die Zustände beim deutschen Zoll gekümmert und dabei eine unglaubliche Geschichte aufgetan. Der Beitrag dokumentiert einmal mehr, dass das von Peer Steinbrück geführte Bundesfinanzministerium offensichtlich nicht viel mit dem am Hut hat, was man normalerweise von einer Bundesbehörde mit Vorbildcharakter erwarten kann.

Die Stammleser der Alltäglichen Wahrheiten wissen, worum es geht. Die Koalitionsfreiheit nach Artikel 9 des Grundgesetzes wurde hier per Erlass aufgehoben und der Gewerkschaft der Polizei das Vertretungsrecht abgesprochen, nur weil sie in ihrer Satzung eine Bezeichnung für den Zoll verwendet, die moderner und zeitgemäßer ist. Der Begriff "Bundesfinanzpolizei" ist für das BMF Grund genug, die Tätigkeit der gewerkschaftlich für die GdP aktiven Kolleginnen und Kollegen zu behindern, wenn nicht gar zu verhindern.

Hier nun der Beitrag des Hessischen Rundfunks vom 2. Juni 2007:

Sonntag, 27. Mai 2007

Bund positioniert sich gegen die Beschäftigten - Teil 2

Wie in der Presse nachzulesen ist, erhöht der Bund als größter Anteilseigner den Druck auf den Telekom-Chef Obermann. Der Bund, der sich demnächst von einem Großteil seiner Telekomaktien trennen will, möchte, dass einerseits der Streik bald beendet ist und gleichzeitig die geplante Veränderung des Konzerns kurssteigernd für die eigenen Aktien vollzogen wird. ""Obermann muss diesen Konflikt mit Gesichtswahrung lösen, sonst ist er kaum noch zu halten" heißt es.

Verantwortlich für das Aktienpaket des Bundes ist das Bundesfinanzministerium. Den Rest können sich ständige Leser der Alltäglichen Wahrheiten denken. Den anderen sei die Eingabe des Namens "Steinbrück" oben links in der Suchmaske empfohlen, um so mehr über das Mitglied der IG-Metall zu erfahren. Wenn man sich einen Teufel um die Koalitionsfreiheit im eigenen Geschäftsbereich kümmert, dann kommt´s auf einen Bruch der Tarifautonomie auch nicht mehr an...

Donnerstag, 24. Mai 2007

Bund positioniert sich gegen die Beschäftigten

Wie Mike Döding, Fachbereichsleiter Telekommunikation, Informationstechnologie und Datenverarbeitung im ver.di-Landesbezirk Brandenburg der Zeitung jungeWelt sagt, hat sich der Bund als größter Anteilseigner im Aufsichtsrat für die Pläne ausgesprochen, die jetzt zum Streik geführt haben.

So richtig überrascht mich das nicht. Ich kenne bekanntlich aus eigener Erfahrung die Haltung des Bundesfinanzministers Gewerkschaften gegenüber.

Ich erinnere mich an das Wort von Ralf Stegner auf der Maikundgebung in Kiel. "Die Geschichte zeigt: Gewerkschaften und SPD können nur gemeinsam erfolgreich sein!"

Mal sehen, wie lange sich die ver.di-Spitze den Luxus leisten kann, die Genossen zu schonen...

Mittwoch, 23. Mai 2007

Gibt es Leben im Bundesfinanzministerium?

Skepsis bei der Antwort ist angesagt, nachdem ich vor einem Monat bei abgeordnetenwatch.de "meinem" Bundestagsabgeordneten Dr. Hans-Peter Bartels eine Frage zum Verstoß des Bundesfinanzministeriums gegen die Koalitionsfreiheit nach Artikel 9 des Grundgesetzes gestellt habe. Dr. Bartels wartet nämlich seinerseits, wie er mir in einer Mail mitteilte, auf die Beantwortung seines Schreibens durch das Bundesfinanzministerium.

Ab heute werde ich die Frage nach Leben im BMF täglich stellen.

Samstag, 12. Mai 2007

Wenn Informationen passend platziert werden...

Foto: dpa/spiegel
... dann ist dies fragwürdig. Pünktlich zur Diskussion der Mindestlöhne in der großen Koalition wird bei der IG Bau auf einer Hotline angerufen und mitgeteilt, dass die Mindestlöhne für das Reinigungspersonal des Deutschen Bundestages nicht eingehalten werden. So übt man natürlich einen moralischen Druck aus, der seine Folgen haben wird.

Sicherlich wusste man schon seit längerem davon und hat den passenden Moment zur Veröffentlichung abgewartet. Auch in dieser "Wartezeit" wurden die Reinigungskräfte des Bundestages unterbezahlt.

Sollen wir jetzt den Begriff "Bauernopfer" durch "Reinigungsfachkraft" ersetzen?

Freitag, 11. Mai 2007

Kaum zu glauben

Foto: DDP/AFP
Wer in der Gewerkschaft der Polizei ist, kann über dies Pressemitteilung nur müde oder bitter lächeln. Der Bundesfinanzminister und stellvertretende Vorsitzende der SPD, Peer Steinbrück, der bekanntlich in seinem Geschäftsbereich duldet, dass die Koalitionsfreiheit nach Artikel 9 des Grundgesetzes nicht mehr gilt, setzt sich für ehrenamtlich tätige Menschen ein und stellt steuerliche Erleichterungen in Höhe von etwa 440 Millionen Euro in Aussicht, wie rheinpalz.de berichtet.

Ich bin für meine Gewerkschaft ausschließlich ehrenamtlich tätig. Der gewerkschaftliche Sonderurlaub nach § 6 der Sonderurlaubsverordnung wurde seitens des Bundesfinanzministeriums für die Angehörigen der Gewerkschaft der Polizei gestrichen, um so deutlich zu machen, dass eine Distanzierung von einem unserer Ziele geboten erscheint.

SPD-Urgestein überlegt Wechsel zur Linkspartei

Dass ich ganz erhebliche Probleme mit meiner alten politischen Heimat, der SPD, habe, mache ich hier immer wieder deutlich. Dass dies auch anderen so geht, die mit sozialdemokratischen Werten mehr als andere verbunden werden, zeigt das Beispiel Rudolf Dreßlers, der, wie die NETZZEITUNG berichtet, einen Wechsel zur Linkspartei überlegt.

Noch(!!!) bin ich nicht so weit, in die Linkspartei einzutreten. Wenn allerdings Leute wie Rudolf Dreßler dort ihre gewichtige Stimme erheben können und dort auch gehört werden, mach´ ich es.

Nachdem dem kläglichen Auftritt des SPD-Landesvorsitzenden auf der Maikundkebung des DGB in Kiel ist meine Landes-SPD keine denkbare Partei mehr!

Mittwoch, 9. Mai 2007

Seltsam, seltsam. Nur eine Zeitung berichtet davon.

Foto: ddp
Gestern nahm die Bundeskanzlerin Angela Merkel an einer Vorstandssitzung des DGB teil. Was wir davon zu halten haben, wenn hinterher davon gesprochen wird, das Treffen sei konstruktiv gewesen, wenngleich die Meinungsunterschiede nicht ausgeräumt werden konnten, wissen wir ja. Dass dieses Treffen in den Medien quasi unterschlagen wird, ist jedoch merkwürdig. Nur die jungeWelt berichtet ausführlich.

Woran wir mit Angela Merkel sind, wird in dem Artikel sehr deutlich. Nicht eine der DGB-Forderungen akzeptiert unsere vom Kabarettisten Bruno Jonas als "sprechender Hosenanzug" beschriebene Bundeskanzlerin.

Montag, 7. Mai 2007

Neue Töne von der FDP - Rentner sollen dazu verdienen

Auf dem nächsten Parteitag der FDP Anfang Juni in Stuttgart will die FDP laut NETZZEITUNG beschließen, dass Rentner sozialabgabenfrei dazu verdienen dürfen sollen und sie auf diese Weise auch schon mit 60 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand treten dürfen.

Was für ein lobenswertes Ziel! Und so realistisch. Mittvierziger sind überaltertes Humankapital und finden kaum noch Arbeit. Der Arbeitsmarkt wartet also nur auf den "Urnenpöbel" (Begriff aus Georg Schramms letztem Programm "Thomas Bernhard hätte geschossen"). ..

Die Urabstimmung beginnt heute

Aus guten Gründen bin ich eigentlich auf ver.di nicht gut zu sprechen. Schließlich hat sich die DGB-Schwestergewerkschaft der Gewerkschaft der Polizei noch nicht zu einer Solidaritätsbekundung wegen des Ausgrenzens der GdP durch das Bundesfinanzministerium durchringen können. Aber in diesen Zeiten ist kleinkariertes Denken und Handeln nur gut für die Arbeitgeber und nicht für uns. Deshalb werde ich in den Alltäglichen Wahrheiten ab heute den kommenden Streik unterstützen und begleiten.

Nadelstichartig wird ver.di seine Streiks setzen. Das wird, wie Ado Wilhelm von ver.di dem SPIEGEL erklärte, vor allem Großunternehmen betreffen. Aber auch der G8-Gipfel in Heiligendamm wird in den Gedankenspielen von ver.di nicht ausgespart. Die Normalkunden werden direkt nicht von den Streiks betroffen sein, wie ver.di bereits mehrfach versicherte.

Bis zu dem Tag, an dem die Telekom begriffen hat, dass ihr Humankapital auch anders bessere Renditen abwerfen kann, wird es hier also in der rechten Spalte des Blogs brandaktuelle Infos zum Streikgeschehen geben.

Sonntag, 6. Mai 2007

Groteske Urlaubsdiskussion?

In einem Interview mit der "WELT" lässt sich Bundesfinanzminister kurz und knapp zum Erholungsurlaub aus. Das will ich Euch doch nicht vorenthalten:

WELT ONLINE: Herr Minister, wie war der Urlaub in Namibia?
Peer Steinbrück: Es war ein schöner Familienurlaub. Wir haben viel gesehen und uns gut erholt.
WELT ONLINE: Vor kurzem empfahlen Sie den Deutschen, für die Altersversorgung auf einen Urlaub zu verzichten. Wie können ausgerechnet Sie während eines wichtigen Termins verreisen?
Steinbrück: Ich bitte Sie. Das ist grotesk. Wissen Sie, wie oft ich meiner Familie Nein sagen muss? In neun von zehn Fällen. Diesmal hatte meine Familie Vorrang. Dazu stehe ich und habe nicht die Absicht, mich dafür zu rechtfertigen.

Seit dem der gewerkschaftliche Sonderurlaub für die Angehörigen der Gewerkschaft der Polizei, die die Interessen der Beschäftigten im Zollvollzug (Zollfahndung, Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Grenzdienst usw.) rechtswidrig im klaren Gegensatz zum Artikel 9 des Grundgesetzes vom Bundesfinanzministerium gestrichen wurde und damit meine Gewerkschaft ausgegrenzt wurde, muss ich meinen Erholungsurlaub für jede gewerkschaftliche Veranstaltung nehmen. Meine Familie muss auf mich, so wie die Familien meiner Gewerkschaftskollegen, in der Folge mindestens an fünf Tagen im Jahr doppelt verzichten, denn zum einen bin ich nicht zu Hause und zum anderen muss ich arbeiten, wenn meine Familie Urlaub hat. Summa summarum sind dies zehn Tage.

Ich bin weit davon entfernt, mich und meine Tätigkeit auch nur im Ansatz mit der des Bundesfinanzministers zu vergleichen. Ich mache meine gewerkschaftliche Arbeit ehrenamtlich und habe trotzdem regelmäßig einen Arbeitstag, der insgesamt in der Regel elf Stunden lang ist. 8 1/4 Stunden braucht mein Job als Zollfahnder, der Rest geht drauf für die GdP. Um so härter trifft mich wie alle GdP-Gewerkschafter der Erlass des BMF.

Grotesk ist das kalte Ausgrenzen der Gewerkschaft der Polizei innerhalb des Bundesfinanzministeriums und nicht die Diskussion über den Namibia-Aufenthalt des Ministers Steinbrück. Wäre es anders, lägen angefangen vom japanischen Finanzminister bis hin zu den deutschen Medien alle falsch bei der Beurteilung der Angelegenheit.

Der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende und Innenminister Ralf Stegner hat auf der Kieler Maikundkebung gesagt, dass Gewerkschaften und SPD nur gemeinsam erfolgreich sein können. Wer seine Landtagswahl so mit Bausch und Bogen wie Peer Steinbrück in NRW verloren hat (mit 37,1 % das schlechteste SPD-Wahlergebnis seit 50 Jahren!!!), hat genug Anlass, seine Grundeinstellungen einer Überprüfung zu unterziehen, nicht wahr?