Sonntag, 24. Juni 2007

Pause

Die Alltäglichen Wahrheiten machen ein paar Tage Pause. Am nächsten Samstag geht´s hier weiter.

Bleibt mir gewogen!

Selbsterkenntnis bei Steinbrück?

Wie reuters meldet, hat der SPD-Vize und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, der bekanntlich für einen klar politisch motivierten Rechtsbruch verantwortlich zeichnet, seine Partei zu mehr Geschlossenheit aufgerufen. "Wir sind häufig selbst die Stichwortgeber, die dazu führen, dass unsere Spitzenvertreter in den Medien öffentlich beschädigt werden", sagte Steinbrück.

Aha. Wer es mit der grundgesetzlich garantierten Koalitionsfreiheit ausgerechnet als Sozialdemokrat nicht so genau nimmt, der gibt nicht nur Stichworte. Der setzt Zeichen und darf sich nicht wundern, wenn sich die Leute angewidert von einer solchen SPD abwenden. Noch kocht der Konflikt des Bundesfinanzministers mit der Gewerkschaft der Polizei dank der politischen Weitsicht innerhalb der GdP auf Sparflamme. Das wird aber nicht so bleiben, wenn der SPD-Vize Steinbrück weiterhin die Größe zum Einräumen eines Fehlers vermissen lässt.

Wiki des Tages

Heute vor 55 Jahren, am 24. Juni 1952, erschien die erste BILD-Zeitung mit einer Auflage von 250.000 Exemplaren. Von Günter Wallraff, der Hans Esser bei BILD war, bis hin zum BILDblog gehen die Versuche, BILD und seine Methoden zu entlarven.

Der Verantwortung als auflagenstärkste Zeitung Europas entspricht der Hang zur Wahrheit bei BILD nicht, wie wir alle wissen. Keine andere Zeitung wird so oft vom Deutschen Presserat gerügt wie BILD. Die Grafik belegt dies eindrucksvoll.

Samstag, 23. Juni 2007

Georg Danzer

Am letzten Donnerstag verstarb im Alter von nur 60 Jahren einer der genialsten Liedermacher des deutschsprachigen Raums: Georg Danzer.

Eines meiner Lieblingslieder von ihm neben dem Stück "Morgenrot", das die BOTS erfolgreicher als er selbst unter dem Titel "Aufstehen" vermarkteten, ist "Die Freiheit". Zu gerne würde ich Euch ja das Ding YouTube-Video anbieten. Aber leider gibt´s das (noch) nicht. Deshalb hier der Text:

die freiheit

vor ein paar tagen ging ich in den zoo
die sonne schien, mir war ums herz so froh
vor einem käfig sah ich leute stehn
da ging ich hin um mir das näher anzusehen

*nicht füttern* stand auf einem großen schild
und *bitte nicht reizen, da sehr wild!*
erwachsene und kinder schauten dumm
und nur ein wärter schaute grimmig und sehr stumm

ich fragte ihn *wie heißt denn dieses tier?*
*das ist die freiheit!* sagte er zu mir
*die gibt es jetzt so selten auf der welt
drum wird sie hier für wenig geld zur schau gestellt*

ich schaute und ich sagte *lieber herr!
ich seh ja nichts, der käfig ist doch leer*
*das ist ja grade* - sagte er - *der gag!
man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg!*

die freiheit ist ein wundersames tier
und manche menschen haben angst vor ihr
doch hinter gitterstäben geht sie ein
denn nur in freiheit kann die freiheit
freiheit sein -
Wunderschön, nicht wahr? Habe aber bei YouTube ein Video mit seinem ersten "Hit" gefunden, dem ein warmherziger Text von Walter Gröbchen, ehemaliger ORF-"MusicBox"-Redakteur, ist Journalist, Verleger und A&R-Berater in Berlin und Wien. Außerdem ist er Mit-Herausgeber des MP3-Online-Magazins Tonspion, beigefügt ist.


Freitag, 22. Juni 2007

Fahren wie der Vatikan

Endlich! Der Vatikan hat 10 Gebote für´s Autofahren veröffentlicht, wie die WELT meldet. Darunter befinden sich so tolle wie diese:

Du sollst dich an Tempo-Limits halten.
Du sollst ein Auto nicht als Objekt der persönlichen Verherrlichung oder als Ort der Sünde benutzen.
In den "Richtlinien für eine pastorale Verhaltensweise auf der Straße" heißt es weiter: "Autos neigen dazu, die primitive Seite im Menschen zu wecken und erzeugen daher eher unschöne Ergebnisse".

Mehr als im Papamobil ist persönliche Verherrlichung doch nicht machbar, oder? Allerdings, dass Autos die primitive Seite im Menschen wecken, weiß man wohl nirgends besser als im katholischsten aller europäischen Länder, nämlich in Polen...

Dumm, dümmer, Kaczynski

Die Forderung der Kaczynskis, die Kriegstoten in die Stimmgewichtung des EU-Rates einzubeziehen und damit Polen auf eine fiktive Einwohnerzahl von 66 Millionen hoch zu rechnen, ist absurd und widerlich.

Mit derart provinziellem Denken hätte es die EU nie dazu gebracht, eine wirtschaftliche Stärke zu erreichen, die es verträgt, marode Wirtschaften wie z.B. die polnische so aufzubauen, dass massenweise Arbeitsplätze nach Polen ausgelagert werden konnten, sehr zum Leidwesen der davon betroffenen Westeuropäer. Wer also so viel Nutzen aus Europa zieht, sollte sich vielleicht auch einmal damit beschäftigen, wie und woher der Nutzen kommt. Diplomatische Unverschämtheiten bzw. Dummheiten wie die der Kaczynski-Brüder wird man dabei in der Kausalkette nicht entdecken.

Einer für den Morgen

Aus dem Jahr 1978 stammt diese Nummer. Die Anmoderation in der Sendung "Rockpop" spiegelt die Ratlosigkeit wieder, die man damals ob solcher Klänge aus Synthesizern hatte. Die deutsche Band Kraftwerk baute sich übrigens einen Teil ihrer Instrumente selbst. Ich habe die Band musikalisch im Schulunterricht kennen gelernt, als unser norwegischer Musiklehrer Age Corneliussen musikalische Muster erklärte und dazu ausgerechnet den Kontrast zwischen Jethro Tull und Kraftwerk bemühte. Damals hatte Kraftwerk mit dem Stück "Ruckzuck", das eigentlich nur aus einer Dreitonfolge bestand einen Hit in Deutschland. Zur gleichen Zeit war das Album "Living In The Past" von Jethro Tull erschienen. Wie Lehrer eben so sind, war das Einfache (Kraftwerk) schlecht und das aufwändig Gestaltete (Jethro Tull) wertvoll...

Wie auch immer. Die Band Kraftwerk wurde spätestens mit dem Stück "Autobahn" 1973 zum Trendsetter, wenn nicht gar zum Begründer des Elektropops. Hier für Euch und mich - auch zur Erinnerung an Konrad Zuse - das Stück "Wir sind die Roboter".



Wiki des Tages

Ob diese Zeilen oder das Internet samt unseren Computern überhaupt oder zumindest schon jetzt da wären, wenn heute vor 97 Jahren nicht Konrad Zuse geboren worden wäre, ist fraglich.

Nach seinem Ingenieurstudium war er als Statiker im Flugzeugbau tätig. Da die Berechnungen in der Flugstatik sehr monoton und mühselig waren, kam ihm die Idee, diese zu automatisieren. Das Resultat war der 1938 fertiggestellte, elektrisch angetriebene mechanische Rechner Z1 mit begrenzten Programmiermöglichkeiten, der die Befehle von Lochstreifen ablas. Der Z1 gilt als erster Computer überhaupt.

Die Folgemodelle wurde durchnummeriert bis zum Z25 im Jahre 1967. Auf Initiative von Bill Gates traf sich Konrad Zuse mit diesem auf der CeBIT 1995. Ebenfalls 1995 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. In diesem Jahr wurde er auch Ehrenmitglied im Chaos Computer Club. Er wurde 2003 im ZDF auf Platz 15 der größten Deutschen gewählt. Am 18.12.1995 starb Konrad Zuse.

Donnerstag, 21. Juni 2007

Einer für den Abend

Seit ein paar Minuten haben wir kalendarisch betrachtet Sommer. Das Wetter unterstreicht diese Tatsachenbehauptung nicht. Ganz im Gegenteil. Egal. Janis Joplin singt mir die Sommerzeit in die vier Wände. Ich mach´ die Augen zu und sehe im Geiste "die Fische springen und die Baumwolle blühen". Sommer ist, wann ich will!



Der Kölner Express meldet, dass die Bestatter noch in diesem Jahr mit einem Trauerkanal auf Sendung gehen wollen. Was erwartet uns denn da programmtechnisch?

"Themen, die für ältere Menschen relevant sind", sagte Gernig. "Wer einmal einen Todesfall in der Familie hatte, weiß, wie viele Fragen damit verbunden sind." Unter dem Titel "Verarmt, verscharrt, vergessen" werde auf die steigende Zahl von Sozialamts-Bestattungen eingegangen.
Klasse! Als wenn das uns angebotene Fernsehprogramm nicht schon traurig genug wäre...


Wer im Glashaus sitzt...

... der sollte nicht mit Steinen schmeißen. Wenn Peter Struck, wie es der SPIEGEL meldet, sich die Kanzlerin "vorknöpft", weil sie in der Mindestlohndebatte bei der Lösung eines sozialen Problems uneinsichtig war, sollte er sich genau so konsequent seinen Partei-Vize Peer Steinbrück "vorknöpfen", der grundgesetzlich garantierte Standards mit seinem "Gewerkschaftsverbot durch die Hintertür" aufheben möchte.

Sozial oder auch sozialdemokratisch kann man nicht selektiv sein, Herr Struck! Das geht nur ganz oder gar nicht. Pseudosozial oder pseudosozialdemokratisch treibt man der Linkspartei die Leute zu!

Zeichnen auch ohne Software

Wer viel unterwegs ist und nicht immer seinen Laptop dabei hat, wird dieses Tool sehr zu schätzen wissen: Cumulate Draw. Nach dem Aufruf dieser Webseite steht einem ein vollständiges Mal- und Zeichenprogramm zur Verfügung, dass sogar unterschiedliche Plattformen (Windows und Mac) berücksichtigt.

Die Ergebnisse lassen sich auf der eigenen Festplatte auch bequem abspeichern. Kostenlos und gut!

NPD droht mit Gewalt

Der Fraktionschef der NPD Udo Pastörs hat in einer Rede offen zur Gewalt aufgerufen, wie NDR-online meldet.

Vor rund 250 Neonazis sagte Pastörs, wenn die NPD an die Macht gelange, dann bestehe die Verpflichtung, "jene einer gerechten Strafe zuzuführen, die Verantwortung für die Politik tragen". Die herrschende Klasse, so Pastörs, würde Wind sähen und Sturm ernten, und die NPD müsse der Sturm sein. Der Parteienstaat müsse mit Radikalität abgeschafft werden. Nur wer kämpfe, habe die Chance auf Sieg, es gehe um aktiven Widerstand. Pastörs bezeichnete Demokraten als "Papiertiger, die sich im Keller verkriechen".
Dieser Aufruf zur Gewalt darf nicht ungeahndet bleiben! Dass muss Folgen haben! Was wird das Parlament von Mecklenburg-Vorpommern nun tun?

Wiki des Tages

Heute vor 59 Jahren, am 21. Juni 1948, wurde mit der Währungsreform die Deutsche Mark als Zahlungsmittel in den Westzonen eingeführt. Bis zum 31. 12.2001 war sie nicht nur Zahlungsmittel, sie war auch das Symbol des wirtschaftlichen Aufstiegs unseres Landes.

Die DM hatte – und hat noch – einen Ruf als „harte“ Währung, dies ist aber sachlich nicht begründet. 1 DM vom 21. Juni 1948 war zum 31. Dezember 1998 rechnerisch noch 24 Pfennige wert. Über den Gesamtzeitraum betrug die Inflationsrate durchschnittlich knapp 3 %, das ist höher als bisher beim – als „weich“ empfundenen – Euro, was aber auch auf die hohen Wachstumsraten zurückzuführen sein könnte, welche meistens mit einer höheren Inflation korrelieren.

Der "gefühlte" Wert des Euro lässt mich der Deutschen Mark nachtrauern...

Mittwoch, 20. Juni 2007

Einer für den Morgen

Am Donnerstag beginnen in NRW die Sommerferien. Woche für Woche folgen dann auch die anderen Bundesländer. 33.000 Schulabsolventen haben keine Lehrstelle. Wie´s mit dem Studium aussieht, zeigen Euch die Alltäglichen Wahrheiten ein Posting weiter unten. Dass die meisten Schüler trotzdem froh sind, dass die Schule vorbei ist, unterstreiche ich mit dem Stück "School´s Out" von Alice Cooper aus dem Jahr 1972.



Soziale Selektivität

Dass Arbeiterkinder seltener studieren als Kinder aus privilegierteren Schichten wissen wir schon seit langem. Mit so einer Nachricht würden die Alltäglichen Wahrheiten Euch nicht langweilen.

Wenn es aber so ist, dass ein anstehender Akademikermangel Deutschlands Chancen in der Welt künftig schmälert und gleichzeitig unionsgeführte Länder Studiengebühren erheben, wird das, was der Präsident des Deutschen Studentenwerks, Rolf Dobischat, "soziale Selektivität" und „beschämend für eine Demokratie“ nennt, für uns alle bedrohlich. Die Rekrutierungspotenziale für mehr Akademiker aus den hochschulnahen Bildungsmilieus seien ausgeschöpft. Die zusätzlichen Hochqualifizierten, die Deutschland dringend benötige, müssten aus den hochschulfernen und einkommensschwächeren Schichten durch eine Bafög-Stärkung mobilisiert werden. Mehr dazu gibt´s bei der Wirtschaftswoche.

Wiki des Tages

Heute vor Jahren fasste der Deutsche Bundestag mit 338 gegen 320 Stimmen den sogenannten "Hauptstadtbeschluss", der eine "faire Arbeitsteilung" für die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn und die Hauptstadt Berlin vorsah.

1994 wurde das Berlin/Bonn-Gesetz beschlossen. Ursprünglich sollten die Ministerien bereits 1995 nach Berlin umziehen, dieser Zeitplan konnte aber nicht eingehalten werden. Stattdessen erging ein Kabinettsbeschluss, in dem festgelegt wurde, dass der Umzug bis 2000 abgeschlossen sein soll und ein Budget von 20 Milliarden DM nicht überschritten werden darf.

Wir alle wissen, dass die Bonner Ministerialbürokratie nach wie vor in unveränderter Personalstärke die Beschaulichkeit des Rheins dem umtriebigen hektischen Berliner Leben vorzieht. Da stellt sich mir doch die Frage: Was ist dekadent? Eine unterhaltsame Antwort auf diese Frage wäre, sich den Spinat von Fleurop kommen zu lassen...

Dienstag, 19. Juni 2007

Grimme-Institut veröffentlicht versehentlich Gewinner vorab

Ein Missgeschick des Grimme-Instituts führte zur versehentlichen Veröffentlichung der Online-Preisträger für nur wenige Stunden auf den Internetseiten des Instituts. Als man den Fehler entdeckte und die Gewinnerliste wieder aus dem Netz nahm, war es allerdings schon zu spät. In diversen Blogs wurde darüber schon diskutiert.

Egal. Ich freue mich darüber, dass Stefan Niggemeier mit seinem Blog einer der Preisträger ist. Sein souveräner Umgang mit dem unglücklichen Auftritt des Grimme-Instituts macht den Preisverleiher zum Preisempfänger. Respekt!

Schon mal zu Ende gedacht?

Die EU-Behörde EASA hat für uns mehr Beinfreiheit in Flugzeugen beschlossen. Damit trägt man der physischen Veränderung der Menschheit Rechnung und will dem "Touristenklasse-Syndrom" begegnen, bei dem es durch die engen Sitze und Sitzabstände zur lebensgefährlichen Thrombosebildung kommt.

Auch die Billigflieger sollen in ihren Maschinen die Sitzabstände an den neuen Standard anpassen. Wie sie danach den mörderischen Preiskampf im Luftverkehr überleben sollen, weiß niemand. Sicher ist, dass in der Folge einige auf der Strecke bleiben werden. Ich als Billigflieger würde vermuten, dass hinter dieser neuen EU-Norm Lobbyisten der teuren Konkurrenz stecken...

Wechselwirkungen

Oliver Kalkofe

Dass Dinge wie der Sachsensumpf möglich werden, kann nicht nur auf juristische Normenverschiebungen reduziert werden. Dafür braucht es auch einer speziellen Gesamtkultur. In Sachsen mag diese auch maßgeblich durch die Sendungen des mdr beeinflusst worden sein. Und wenn Oliver Kalkofe Recht hat, dann hat auch der liebe Gott dabei die Finger im Spiel...

Dieses Video mit dem Highlight der deutschen Sangeskultur "Heidi", gesungen von den Jacob-Sisters, lässt auf Wechselwirkungen zwischen Kultur und Unrechtsbewusstsein schließen.